Multiple Sklerose
HLA-DRB1*15:01
Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems mit vielen genetischen und nichtgenetischen Einflussfaktoren. HLA-DRB1*15:01 gehört zu den wichtigsten genetischen Risikoallelen. Eine frühere Epstein-Barr-Virus-Infektion ist sehr stark mit MS assoziiert; wie sie mit weiteren Faktoren zusammenwirkt, wird weiter untersucht.
Kernpunkte
- DRB1*15:01 erhöht in vielen Studien das relative Risiko; die meisten Träger erkranken nicht an MS.
- HLA-A*02:01 ist in mehreren Studien mit geringerem Risiko assoziiert.
- Eine frühere EBV-Infektion geht den meisten MS-Fällen voraus, reicht allein aber nicht als Erklärung.
- Eine Studie von 2026 untersuchte, wie EBV und HLA-DR15 die Präsentation von Myelin-Peptiden beeinflussen könnten.
Veranlagung trifft Auslöser
DRB1*15:01 ist mit einem erhöhten relativen MS-Risiko verbunden, bestimmt aber nicht, ob die Erkrankung entsteht. In einer großen Längsschnittstudie ging eine EBV-Infektion fast allen beobachteten MS-Fällen voraus; das belegt eine starke Verbindung, aber allein noch keinen vollständigen Krankheitsmechanismus. Diskutiert werden unter anderem molekulare Mimikry und Veränderungen infizierter B-Zellen.
Wie Virus und Gen zusammenwirken
Eine 2026 veröffentlichte experimentelle Studie untersuchte einen möglichen Zusammenhang zwischen EBV-Infektion und HLA-DR15. In den untersuchten Zell- und Gewebeproben fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass infizierte B-Zellen Myelin-Basisches-Protein-(MBP-)Peptide präsentieren und dass passende CD4-T-Zellen darauf reagieren können. Das liefert einen möglichen Mechanismus, beweist aber nicht, dass dieser Ablauf MS allein verursacht oder bei allen Betroffenen gleich ist.
Einordnung
DRB1*15:01 ist ein Risikomarker, keine Vorhersage für eine einzelne Person. Die HLA-Typisierung diagnostiziert keine MS und erklärt weder den individuellen Verlauf noch die Ursache. Genome stellt den Typ als technische Evidenz dar.
Was Genome misst. Vorliegen des Risikoallels HLA-DRB1*15:01 sowie schützender Klasse-I-Typen (etwa HLA-A*02:01) in der HLA-Typisierung.
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Quellen
- 1International MS Genetics Consortium, 2019 Multiple sclerosis genomic map implicates peripheral immune cells and microglia in susceptibility. Science 365:eaav7188. doi.org/10.1126/science.aav7188
- 2Bjornevik et al., 2022 Longitudinal analysis reveals high prevalence of Epstein-Barr virus associated with multiple sclerosis. Science 375:296-301. doi.org/10.1126/science.abj8222
- 3Wang et al., 2026 EBV infection and HLA-DR15 jointly drive multiple sclerosis by myelin peptide presentation. Cell 189:569-584. doi.org/10.1016/j.cell.2025.12.046