Struktur & Repeats

Repeat-Expansionen

ExpansionHunter

An bestimmten Stellen des Genoms wiederholt sich ein kurzes Motiv vielfach. Überschreitet die Zahl der Wiederholungen einen locusspezifischen Schwellenwert, entstehen neurologische Erkrankungen. Genome schätzt die Wiederholungszahl an definierten Loci gezielt.

Kernpunkte

  • Bekannte Beispiele sind HTT (CAG, Chorea Huntington), FMR1 (CGG, Fragiles-X) und C9orf72 (GGGGCC, ALS/FTD).
  • Schwellenwerte sind locusspezifisch; dazwischen liegen oft Prämutations- oder Graubereiche.
  • Lange Wiederholungen sind für kurzgelesene Sequenzierung schwer zu überspannen und brauchen spezielle Verfahren.
REPEAT-EXPANSIONEN · SCHWELLENWERTE Normalbereich pathogen HTT (CAG)n ≥ 40 Chorea Huntington FMR1 (CGG)n 55-200 Fragiles-X-Syndrom C9orf72 (GGGGCC)n ≥ 30 ALS / FTD Schwellen sind locusspezifisch; ExpansionHunter schätzt die Kopienzahl aus gezielten Reads.

Warum Repeats besonders sind

Eine Expansion kann instabil sein und ueber Generationen wachsen (Antizipation). Sie veraendert oft nicht ein Protein direkt, sondern stoert Transkription, Spleissen oder erzeugt toxische RNA. Deshalb ist die genaue Wiederholungszahl, nicht nur die Anwesenheit, klinisch entscheidend. Schwellenwerte sind zudem locusspezifisch, mit Praemutations- oder Graubereichen zwischen Normal und pathogen, sodass eine Zahl mit Unsicherheitsbereich aussagekraeftiger ist als ein Ja-Nein-Befund.

Warum kurze Reads das Problem schwer machen

Ein pathogener Repeat ist oft laenger als ein einzelner Sequenzier-Read, sodass kein Read den Repeat von beiden Seiten ueberspannt. Repetitive Motive richten sich zudem mehrdeutig aus, weshalb ein Standard-Aligner und ein normaler Varianten-Caller die wahre Laenge unterschaetzen oder verfehlen. Eine zuverlaessige Schaetzung verlangt daher ein gezieltes, locusbezogenes Verfahren statt einer genomweiten SNV-Logik. Genome behandelt diese Loci deshalb getrennt von der uebrigen Variantenanalyse.

Wie Genome auswertet

Genome nutzt ExpansionHunter (Illumina). Fuer jeden Locus aus einem kuratierten Katalog (darunter HTT, FMR1, C9ORF72, FXN, DMPK, CNBP, AR sowie mehrere ATXN-Loci) baut das Werkzeug einen Sequenzgraph aus Flanken und wiederholtem Motiv und richtet die lokalen Reads dagegen aus. Es wertet dabei drei Read-Klassen aus: spanning Reads, die den Repeat ganz enthalten, flanking Reads, die nur an einer Seite hineinreichen, und in-repeat Reads, die vollstaendig im Motiv liegen und besonders lange Expansionen anzeigen. Daraus schaetzt es je Allel eine Wiederholungszahl und gibt ein Genotyp-Konfidenzintervall aus. Genome liest diese Genotypen samt Konfidenzintervall und Read-Stuetzung aus und stellt sie ausschliesslich als Repeat-Evidenz dar, nicht als Nachweis kleiner Varianten.

Was Genome misst. Die geschätzte Wiederholungszahl pro Allel an gezielten Repeat-Loci, mit Bezug zum locusspezifischen Normalbereich und pathogenen Schwellenwert.

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Quellen

  1. 1Dolzhenko et al., 2019 ExpansionHunter: a sequence-graph-based tool to analyze variation in short tandem repeat regions. Bioinformatics 35(22):4754-4756. doi.org/10.1093/bioinformatics/btz431
  2. 2Dolzhenko et al., 2017 Detection of long repeat expansions from PCR-free whole-genome sequence data. Genome Research 27(11):1895-1903. doi.org/10.1101/gr.225672.117
  3. 3Depienne & Mandel, 2021 30 years of repeat expansion disorders: what have we learned and what are the remaining challenges?. American Journal of Human Genetics 108(5):764-785. doi.org/10.1016/j.ajhg.2021.03.011