Kontaminationsprüfung
VerifyBamID2
Wenn DNA mehrerer Personen vermischt ist, werden Varianten falsch gerufen und Auswertungen unzuverlässig. Eine Kontaminationsprüfung schätzt den Fremd-DNA-Anteil vor der weiteren Interpretation. Genome führt diese Qualitätskontrolle als eigenen Schritt.
Kernpunkte
- Schon wenige Prozent Fremd-DNA können Varianten-Calls und Genotypen verfälschen.
- Die Schätzung nutzt Populationsallelfrequenzen und ist abstammungsunabhängig konzipiert.
- Kontaminationsprüfung ist Voraussetzung, nicht Ergebnis: Sie schützt alle nachgelagerten Berichte.
Warum sie am Anfang steht
Jede Aussage ueber Varianten, HLA, Pharmakogenetik oder Haplogruppen setzt voraus, dass die Probe von einer Person stammt. Eine unbemerkte Vermischung erzeugt scheinbare Heterozygotie und falsche Befunde. Schon wenige Prozent Fremd-DNA koennen Genotypen kippen und falsch-positive Signale erzeugen. Deshalb gehoert die Kontaminationspruefung an den Anfang der Auswertung und nicht an deren Ende.
Wie Genome auswertet
Genome ruft VerifyBamID2 auf der ausgerichteten BAM- oder CRAM-Datei zusammen mit dem passenden Referenzgenom auf. Das Verfahren ist genotypfrei: Es braucht keinen vorab bekannten Genotyp der Person, sondern modelliert die beobachteten Allelmuster an bekannten Variantenpositionen gegen Populationsallelfrequenzen. Die Abstammung wird ueber eine PCA-Referenz mitgeschaetzt, sodass die Kontaminationsschaetzung weitgehend abstammungsunabhaengig bleibt und auch dann traegt, wenn kontaminierende DNA aus einer anderen Population stammt. Als Kennzahl liefert das Werkzeug den FREEMIX-Wert, also den geschaetzten Anteil fremder DNA, den Genome aus der Ergebnisdatei ausliest und im Bericht ausweist.
Warum das bei Short-Read-WGS schwer ist
Bei Short-Read-Sequenzierung sieht man nicht eine ganze fremde Person, sondern nur leicht erhoehte Allelraten an vielen Positionen, die sich schwer von Sequenzierfehlern und Mappingartefakten trennen lassen. Geringe Kontamination und niedrige Lesetiefe wirken aehnlich, weshalb ein verlaesslicher Wert ausreichend abgedeckte, informative Positionen voraussetzt. VerifyBamID2 begegnet dem, indem es viele Marker mit bekannten Frequenzen gemeinsam auswertet und die Abstammung im Modell mitfuehrt, statt sie vorauszusetzen. Genome stellt diese technische Schaetzung dar und trennt sie bewusst von einer Diagnose: Ein erhoehter Wert ist ein Warnsignal fuer die Interpretation aller weiteren Berichte, kein Befund fuer sich.
Abgrenzung zu nicht-menschlicher Verunreinigung
VerifyBamID2 misst Mensch-zu-Mensch-Vermischung, also Fremd-DNA einer anderen Person, nicht aber nicht-menschliche oder mikrobielle Reads. Diese zweite, andersartige Qualitaetsfrage deckt Genome an anderer Stelle ab: In der optionalen viralen Auswertung ordnet Kraken2 Reads taxonomisch zu und Bracken schaetzt die Haeufigkeit auf Artebene, was off-target und nicht-menschliche Signale sichtbar macht. Beide Achsen ergaenzen sich, sind in Genome aber getrennte Schritte mit eigenem Zweck: Die Kontaminationspruefung selbst bleibt allein Aufgabe von VerifyBamID2.
Was Genome misst. Den geschätzten Anteil fremder DNA in der Probe als Qualitätskennzahl, unabhängig von der Abstammung der beteiligten Personen.
Verwandte Themen
Quellen
- 1Zhang et al., 2020 Ancestry-agnostic estimation of DNA sample contamination from sequence reads. Genome Research 30(2):185-194. doi.org/10.1101/gr.246934.118
- 2Jun et al., 2012 Detecting and estimating contamination of human DNA samples in sequencing and array-based genotype data. American Journal of Human Genetics 91(5):839-848. doi.org/10.1016/j.ajhg.2012.09.004
- 3Wood et al., 2019 Improved metagenomic analysis with Kraken 2. Genome Biology 20:257. doi.org/10.1186/s13059-019-1891-0
- 4Lu et al., 2017 Bracken: estimating species abundance in metagenomics data. PeerJ Computer Science 3:e104. doi.org/10.7717/peerj-cs.104