HLA & Immungenetik

HLA-Typisierung

HLA*LA

Die HLA-Gene kodieren die Moleküle, mit denen das Immunsystem körpereigene von fremden Strukturen unterscheidet. Sie liegen im MHC auf dem kurzen Arm von Chromosom 6 und sind die variabelste Region des menschlichen Genoms. Genome typisiert die klassischen Loci aus Sequenzdaten.

Kernpunkte

  • Klasse I (HLA-A, -B, -C) präsentiert körpereigene Peptide an zytotoxische CD8-T-Zellen.
  • Klasse II (HLA-DR, -DQ, -DP) präsentiert aufgenommene Fremdpeptide an CD4-Helferzellen.
  • Die HLA-Region trägt die stärksten bekannten genetischen Assoziationen mit Autoimmunerkrankungen und ist für Transplantationen ausschlaggebend.
Chromosom 6 HLA-Region · 6p21.1-21.3 Telomer langer Arm (q) Zentromer kurzer Arm (p) Telomer GENKARTE · HLA-REGION Klasse II exogene Antigene DP DM DQ DR Klasse III Komplement, TNF Bf C4 C2 Hsp70 TNF Klasse I endogene Antigene B C E A G F kurzer Arm · 6p21 zentromernah →

Warum diese Region so wichtig ist

Auf rund 3,6 Megabasen liegen ueber 200 Gene, viele davon mit Immunfunktion. Die klassischen HLA-Gene sind extrem polymorph: Fuer HLA-B sind mehrere tausend Allele bekannt. Diese Vielfalt ist evolutionaer ein Vorteil gegen Krankheitserreger, macht die Typisierung aber technisch anspruchsvoll. Eng benachbarte Loci, hohe Sequenzaehnlichkeit zwischen Allelen und Genkonversion erschweren die eindeutige Zuordnung zusaetzlich.

Wie Genome typisiert

Genome nutzt HLA*LA (Dilthey et al., 2019). Statt einer linearen Referenz dient ein Populations-Referenzgraph (PRG) des MHC, der bekannte IMGT/HLA-Allele aller klassischen Loci direkt als alternative Pfade kodiert. Reads aus dem MHC-Bereich des Alignments werden auf diesen Graphen projiziert, sodass auch stark abweichende Allele zugeordnet werden, die gegen eine einzelne lineare Referenz schlecht mappen. Aus den projizierten Read-Pfaden leitet HLA*LA pro Locus die wahrscheinlichste Allel-Kombination ab. Die Spalten chr1 und chr2 sind Ausgabespalten von HLA*LA und keine Phasierungsaussage, da die Calls nicht ueber verschiedene Loci hinweg phasiert sind.

Aufloesung, G-Gruppen und Qualitaetswerte

Genome interpretiert die Hauptausgabe R1_bestguess_G.txt als G-Gruppen-Ausgabe: Class-I-Calls beziehen sich auf Exon 2 und 3, Class-II-Calls auf Exon 2. Eine G-Gruppe fasst Allele zusammen, die in den antigen-relevanten Exonen identisch sind, weshalb fuer dieselbe G-Gruppe mehrere kompatible IMGT/HLA-Allele in Frage kommen koennen; Genome zeigt dann den ersten Eintrag als Top-Kandidaten und fuehrt weitere kompatible Kandidaten im Anhang. Die ueblicherweise berichtete Aufloesung reicht bis zur Zwei-Feld-Ebene (Allel-Familie und Protein), waehrend tiefere Felder fuer synonyme oder nichtkodierende Unterschiede aus Short-Read-WGS oft nicht aufgeloest werden. Als Qualitaetswert ist Q1 der zentrale HLA*LA-Score und liegt typischerweise nahe 1; Q2 wird gemaess HLA*LA-Dokumentation nicht als Berichtskriterium gewertet und nur als Rohmetrik mitgefuehrt. Ein Flag perfectG=1 zeigt eine perfekte Uebersetzung des internen Calls in die G-Gruppen-Aufloesung an; bei perfectG ungleich 1 sollte zusaetzlich die unuebersetzte Ausgabe R1_bestguess.txt geprueft werden.

Warum Short-Read-WGS Mehrdeutigkeit erzeugt

Short-Read-WGS liefert kurze Fragmente, die einzelne Allele oft nicht eindeutig voneinander trennen, weil die unterscheidenden Positionen weiter auseinander liegen als die Leselaenge. Innerhalb einer G-Gruppe sind die antigen-relevanten Exonen identisch, sodass mehrere Allele dieselben Reads erklaeren und nur als kompatible Menge berichtet werden koennen. Hinzu kommt, dass zwei Haplotypen gleichzeitig vorliegen und der Graph beide Pfade auseinanderhalten muss, was bei aehnlichen Allelen und ungleicher Coverage scheitern kann. Deshalb fuehrt Genome neben dem Top-Kandidaten Coverage- und Plausibilitaetsmetriken und kennzeichnet Calls als eindeutig, mehrdeutig oder nicht typisiert. Fuer transplantationsrelevante Entscheidungen bleibt eine bestaetigende Labortypisierung der Standard.

Klinischer Kontext

Einzelne HLA-Allele sind eng mit Erkrankungen verknuepft, etwa HLA-DRB1*15:01 mit Multipler Sklerose, HLA-B*27 mit Spondylitis ankylosans oder HLA-B*57:01 mit der Abacavir-Ueberempfindlichkeit. Genome stellt die Typisierung als technische Evidenz dar und trennt diese Evidenz von der Interpretation. Sie ersetzt keine qualifizierte aerztliche Bewertung und keine akkreditierte Labortypisierung.

Was Genome misst. Pro klassischem Locus (A, B, C, DRB1, DQB1, DPB1 und weitere) zwei Allele mit Auflösung bis zur Vier-Stellen-Ebene, jeweils mit Qualitätswert und einer Statusangabe (eindeutig, mehrdeutig, nicht typisiert).

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Quellen

  1. 1Dilthey et al., 2019 HLA*LA: HLA typing from linearly projected graph alignments. Bioinformatics 35(21):4394-4396. doi.org/10.1093/bioinformatics/btz235
  2. 2Robinson et al., 2020 IPD-IMGT/HLA Database. Nucleic Acids Research 48(D1):D948-D955. doi.org/10.1093/nar/gkz950
  3. 3Dendrou et al., 2018 HLA variation and disease. Nature Reviews Immunology 18(5):325-339. doi.org/10.1038/nri.2017.143