mtDNA-Varianten
bcftools (mpileup | call, chrM, haploid)
Mitochondrien tragen ein eigenes, ringförmiges Genom von rund 16.500 Basen. Varianten darin können Energiestoffwechselstörungen verursachen, oft mit Beteiligung von Muskel und Nervensystem. Genome prüft die mitochondriale Sequenz auf bekannte und neue Varianten.
Kernpunkte
- mtDNA wird fast ausschließlich mütterlich vererbt.
- Heteroplasmie bedeutet, dass mutierte und normale mtDNA-Kopien nebeneinander vorliegen.
- Die Bedeutung eines Heteroplasmie-Anteils hängt von Variante, Gewebe und Kontext ab.
Heteroplasmie und Schwellenwert
In einer Zelle können viele mtDNA-Kopien nebeneinander vorliegen. Heteroplasmie bezeichnet das gemeinsame Vorkommen unterschiedlicher mtDNA-Sequenzen. Bei manchen krankheitsrelevanten Varianten hängt die Wirkung davon ab, welcher Anteil in einem Gewebe vorliegt; dafür gibt es keinen einheitlichen Schwellenwert. Anteile können sich zwischen Geweben unterscheiden, sodass ein Blutbefund andere Organe nicht vollständig abbildet.
Wie Genome auswertet
Genome ruft mtDNA-Varianten mit bcftools auf, beschraenkt auf den Mito-Contig (chrM, chrMT oder MT je nach BAM). Konkret laeuft bcftools mpileup auf der Region, dann bcftools call mit haploider Annahme (ploidy 1) und dem multiallelischen Modell, da die mtDNA ringfoermig und nicht diploid ist. Verglichen wird gegen die Referenz, gegen die das BAM ausgerichtet wurde; bei hg38 ist der chrM-Contig die rCRS. Es gibt keinen dedizierten Heteroplasmie-Caller wie mutserve oder Mutect2: Genome zeigt einen Heteroplasmie- oder Tiefenwert nur an, wenn das VCF ein solches Feld fuehrt, und kennzeichnet ihn sonst als nicht ausgewiesen. Die gerufenen Varianten werden anschliessend gegen einen kuratierten mitochondrialen Krankheitskontext gestellt (Genome MitochondrialVariantDB, gespeist aus ClinVar, MITOMAP und HmtVar).
Warum mtDNA aus Short-Read-WGS schwierig ist
Die rCRS (NC_012920) ist die Standardreferenz, gegen die mtDNA-Positionen als m.-Notation benannt werden; ohne diesen Bezug sind Positionsangaben nicht vergleichbar. Eine wesentliche Fehlerquelle sind NUMTs, kernkodierte mitochondriale Pseudogene, deren Reads faelschlich auf die mtDNA mappen und scheinbare niedrige Heteroplasmie vortaeuschen koennen. Der haploide Standard-Call eignet sich gut fuer klare Varianten und die Haplogruppen-Vorbereitung, ist aber nicht darauf ausgelegt, echte niedrige Heteroplasmie sicher von NUMT- oder Sequenzierartefakten zu trennen. Genome stellt deshalb die technische Variantenpruefung dar, trennt sie von der Interpretation und vermeidet diagnostische Ueberaussagen; belastbare Aussagen zur Heteroplasmie erfordern validierte Bestaetigung samt Coverage- und Gewebekontext.
Was Genome misst. Varianten der mitochondrialen DNA gegenüber der Referenz (rCRS), mit Heteroplasmie-Anteil, wo die Abdeckung es zulässt, und Abgleich gegen den mitochondrialen Krankheitskontext.
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Quellen
- 1Andrews et al., 1999 Reanalysis and revision of the Cambridge reference sequence for human mitochondrial DNA. Nature Genetics 23:147. doi.org/10.1038/13779
- 2Gorman et al., 2016 Mitochondrial diseases. Nature Reviews Disease Primers 2:16080. doi.org/10.1038/nrdp.2016.80
- 3Lott et al., 2013 mtDNA Variation and Analysis Using Mitomap and Mitomaster. Current Protocols in Bioinformatics 44:1.23.1-1.23.26. doi.org/10.1002/0471250953.bi0123s44
- 4Stewart & Chinnery, 2015 The dynamics of mitochondrial DNA heteroplasmy: implications for human health and disease. Nature Reviews Genetics 16:530-542. doi.org/10.1038/nrg3966