WGS, SNP-Test und WES
Genome
SNP-Arrays, Whole Exome Sequencing (WES) und Whole Genome Sequencing (WGS) erfassen unterschiedliche Teile des Genoms. WGS bietet meist die breiteste Sequenzgrundlage, liest aber nicht jede Region zuverlässig und beantwortet nicht automatisch jede medizinische Frage. Welche Daten sinnvoll sind, hängt von Fragestellung, Laborverfahren, Abdeckung und gewünschter Auswertung ab.
Kernpunkte
- WGS erfasst typischerweise mehr Sequenzbereiche als ein SNP-Array oder WES, aber nicht alle Positionen gleich zuverlässig.
- Ein SNP-Array kann für ausgewählte Marker oder einzelne rsID-Fragen ausreichen.
- WES konzentriert sich auf kodierende Regionen; die passende Methode richtet sich nach der Fragestellung.
Die kurze Empfehlung
Für eine breite spätere Sequenzauswertung bietet WGS in der Regel mehr Informationen als ein SNP-Array oder WES. Das macht WGS nicht für jede Fragestellung zur besten oder wirtschaftlichsten Wahl: Ein Array kann für bekannte Marker genügen, und WES kann gezielt auf kodierende Gene ausgerichtet sein. Vor einer Sequenzierung sollten Zweck, Qualitätsanforderungen, Kosten, Datenschutz und Zugriff auf die Rohdaten geklärt werden.
SNP-Test: schnell, aber ausgewählt
Ein SNP-Array prüft eine vorab ausgewählte Gruppe von Positionen. Es kann für bestimmte Abstammungsmodelle oder die Abfrage gemessener Marker nützlich sein. Nicht enthaltene Positionen wurden nicht direkt gemessen; manche Anbieter ergänzen Schätzwerte, die als solche erkennbar sein sollten. Ob ein vorhandener Export für eine konkrete Frage reicht, hängt davon ab, ob die benötigten Marker tatsächlich und mit ausreichender Qualität enthalten sind.
WES: stärker als SNP, aber enger als WGS
WES zielt auf Exons, also die Abschnitte, die nach dem Spleißen meist in Proteine übersetzt werden. Die tatsächliche Abdeckung variiert je nach Capture-Design und Labor. Nichtkodierende Regionen und manche Struktur- oder Wiederholungsvarianten werden damit weniger umfassend erfasst. WES kann für klar definierte Fragen geeignet sein, ersetzt aber keine vollständige Sequenzierung.
WGS: eine Datei für viele spätere Fragen
WGS erfasst Sequenzinformation auch außerhalb von Exons und kann damit mehr Arten späterer Auswertung ermöglichen. Das Ergebnis bleibt von Sequenziertiefe, Probenqualität, Referenz und Auswertungsverfahren abhängig. Schwierige Regionen, Wiederholungen und strukturelle Veränderungen können auch in WGS-Daten unvollständig oder mehrdeutig sein. Ob eine neue Fragestellung ohne erneute Laboranalyse beantwortet werden kann, hängt von den vorhandenen Dateien und der benötigten Methode ab.
Welche Dateien sichern?
FASTQ enthält die gelesenen Sequenzfragmente samt Qualitätswerten. BAM oder CRAM enthalten ausgerichtete Reads; VCF enthält bereits aufgerufene Varianten. Die Dateien sind nicht austauschbar und ihre Eignung hängt vom Workflow ab. Kläre mit dem Anbieter, welche Original- und Begleitdateien verfügbar sind, welche Referenz verwendet wurde und wie lange die Dateien sicher aufbewahrt werden können.
Grenzen der Empfehlung
WGS kann für breite Sequenzauswertungen eine passende Grundlage sein, liefert aber nicht automatisch einen klinisch verwertbaren Befund. Qualitätskontrolle, Abdeckung, Laborverfahren, Datenschutz, Kosten, Dateizugriff und Fragestellung bleiben entscheidend. Ein WGS-Datensatz ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine klinische Bestätigung, wenn ein Ergebnis medizinische Konsequenzen haben könnte.
Was Genome misst. Diese Wiki-Seite vergleicht, welche Bereiche ein SNP-Array, WES und WGS typischerweise erfassen und was FASTQ-, BAM-/CRAM- und VCF-Dateien enthalten.
Verwandte Themen
Quellen
- 1Genome Wiki rsIDs, microarray and SNP lookup. /wiki/snp/microarray-snp/
- 2Genome Wiki Reference genome and builds. /wiki/grundlagen/referenzgenom-und-builds/