Struktur & Repeats

Strukturvarianten

Manta

Strukturvarianten sind Veränderungen ab etwa 50 Basenpaaren: fehlende oder verdoppelte Abschnitte, Umkehrungen oder Verlagerungen. Sie können ganze Gene betreffen und sind mit kurzgelesener Sequenzierung anspruchsvoll nachzuweisen. Genome ruft sie aus den Alignments ab.

Kernpunkte

  • Strukturvarianten erklären einen großen Teil der genomischen Unterschiede zwischen Menschen.
  • Sie werden über abweichende Read-Paare, Split-Reads und Abdeckungssprünge erkannt.
  • Kurzgelesene Daten finden viele, aber nicht alle Varianten; Lang-Reads ergänzen das Bild.

Warum sie schwer zu finden sind

Ein kurzer Read von etwa hundert Basen kann eine grosse Umlagerung nicht ueberspannen. Caller schliessen deshalb indirekt aus Signalen: Paare, die zu weit auseinander oder in falscher Orientierung liegen, Reads, die an einer Bruchstelle geteilt sind, oder Bereiche mit auffaellig hoher oder niedriger Abdeckung. Repetitive Regionen erschweren die eindeutige Zuordnung zusaetzlich, weil ein Read dort an mehrere Stellen passt. Aus diesen Spuren wird die wahrscheinlichste Umlagerung rekonstruiert, nicht direkt abgelesen.

Wie Genome auswertet

Genome nutzt Manta (configManta.py konfiguriert den Lauf, runWorkflow.py fuehrt ihn lokal aus). Manta sucht zunaechst das gesamte Alignment nach SV-Hinweisen ab: diskordante Read-Paare mit untypischem Abstand oder falscher Orientierung sowie Reads, die an einer Bruchstelle geteilt (split) sind. Aus diesen Hinweisen baut Manta einen Graphen moeglicher Verbindungen zwischen entfernten Genomregionen und assembliert die Bruchstellen lokal neu, um die Sequenz an der Verbindungsstelle moeglichst basengenau zu rekonstruieren. Jeder Kandidat erhaelt einen wahrscheinlichkeitsbasierten Qualitaetswert und einen Filterstatus (PASS oder eine Filterkennung); Genome uebernimmt aus dem Lauf die Datei diploidSV.vcf.gz als technisches Ergebnis. Die Befunde bleiben Kandidaten mit Evidenz; Bewertung und Bestaetigung sind ein qualifizierter Schritt.

Grenzen je Variantentyp

Kurzgelesene Daten erkennen Varianten unterschiedlich gut, je nach Typ und Lage. Deletionen, die ueber Paarungsabstand und Abdeckung sichtbar werden, sind vergleichsweise zuverlaessig; balancierte Inversionen und Translokationen sind schwerer, da sie nur an den Bruchstellen Spuren hinterlassen. Insertionen, die laenger als die Read-Laenge sind, lassen sich oft nicht vollstaendig rekonstruieren, und Varianten in segmentalen Duplikationen oder repetitiven Regionen bleiben haeufig unsichtbar. Manta begrenzt die lokale Assemblierung auf kompakte Bruchstellen, sodass sehr grosse Insertionen meist nur als Breakend gemeldet werden. Lang-Reads ergaenzen dieses Bild, weil sie ganze Umlagerungen ueberspannen koennen.

Was Genome misst. Kandidaten für Strukturvarianten (Deletionen, Duplikationen, Insertionen, Inversionen, Breakends) mit Position, Typ und unterstützender Evidenz aus dem Read-Muster.

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Quellen

  1. 1Chen et al., 2016 Manta: rapid detection of structural variants and indels for germline and cancer sequencing applications. Bioinformatics 32:1220-1222. doi.org/10.1093/bioinformatics/btv710
  2. 2Mahmoud et al., 2019 Structural variant calling: the long and the short of it. Genome Biology 20:246. doi.org/10.1186/s13059-019-1828-7